Eine Zahnprothese soll sicher sitzen, beim Kauen nicht stören und sich möglichst selbstverständlich anfühlen. Entstehen jedoch Druckstellen, Reibung oder Schmerzen, wird der Zahnersatz schnell zur Belastung. Leichte Beschwerden sind dabei nicht immer ungewöhnlich – entscheidend ist, wie stark sie sind, wie lange sie anhalten und ob sich die Mundschleimhaut sichtbar verändert.
Zahnprothesen und Mundschleimhaut: Warum Druckstellen entstehen können
Eine Zahnprothese sollte gleichmäßig auf der Mundschleimhaut aufliegen und die beim Kauen entstehenden Kräfte verteilen. Da die Schleimhaut empfindlich auf Druck und Reibung reagiert, können bereits kleine Passungenauigkeiten zu Rötungen, Schmerzen oder wunden Stellen führen.
Besonders nach dem Einsetzen einer neuen Prothese muss sich die Schleimhaut zunächst an die Belastung gewöhnen. Druckstellen können aber auch bei älteren Prothesen entstehen, wenn sich der Kieferknochen verändert und der Zahnersatz dadurch nicht mehr optimal sitzt.
Sind Druckstellen nach einer neuen Zahnprothese normal?
Leichte Druckgefühle sind nach dem Einsetzen einer neuen Zahnprothese häufig normal. Mundschleimhaut, Zunge und Kaumuskulatur müssen sich zunächst an den Zahnersatz gewöhnen. Auch ein Fremdkörpergefühl, vermehrter Speichelfluss sowie Unsicherheiten beim Sprechen oder Kauen können in den ersten Tagen auftreten.
Anhaltende oder zunehmende Schmerzen sind jedoch kein normaler Teil der Eingewöhnung. In diesem Fall sollte die Passform der Prothese kontrolliert und bei Bedarf angepasst werden.
Wann ist eine Druckstelle nicht mehr normal?
Nicht jede Druckstelle ist harmlos. Hält die Reizung über mehrere Tage an oder entwickeln sich deutliche Schmerzen, sollte die Ursache zahnärztlich abgeklärt werden. Andernfalls können sich aus kleinen Reizungen schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut entwickeln.
Zu den Warnzeichen gehören:
- anhaltende oder zunehmende Schmerzen
- gerötete oder geschwollene Schleimhaut
- offene oder blutende Stellen
- Brennen beim Essen oder Trinken
- Schmerzen beim Kauen
- wiederkehrende Druckstellen an derselben Stelle
- eine locker sitzende oder wackelnde Prothese
Insbesondere offene Druckstellen sollten nicht ignoriert werden. Durch die verletzte Schleimhaut können Bakterien leichter eindringen und Entzündungen begünstigen. Zudem erschweren Schmerzen häufig die Nahrungsaufnahme und beeinträchtigen die Lebensqualität.
Welche Ursachen können Druckstellen haben?
Druckstellen können verschiedene Ursachen haben. Häufig entstehen sie durch Veränderungen der Passform, sie können jedoch auch durch andere Faktoren begünstigt werden.
- Neue Zahnprothese: Auch bei einer sorgfältig angefertigten Prothese kann es vorkommen, dass einzelne Bereiche stärker belastet werden als vorgesehen. Während die Prothese im zahntechnischen Labor exakt gefertigt wird, zeigt sich häufig erst im Alltag, wie sich die Belastung beim Kauen tatsächlich verteilt. Kleine Druckpunkte lassen sich bei den ersten Kontrollterminen gezielt erkennen und unkompliziert korrigieren.
- Veränderungen des Kiefers: Der Kieferknochen verändert sich nach einem Zahnverlust kontinuierlich. Dieser natürliche Knochenabbau führt dazu, dass eine ursprünglich gut sitzende Prothese im Laufe der Zeit an Halt verliert. Die Belastung verteilt sich dann nicht mehr gleichmäßig, wodurch einzelne Schleimhautbereiche überbeansprucht werden können.
- Materialverschleiß und Beschädigungen: Auch der Zahnersatz selbst verändert sich mit der Zeit. Verschleiß, feine Risse oder kleine Verformungen können dazu beitragen, dass die Prothese nicht mehr optimal sitzt. Ebenso können beschädigte Prothesenzähne oder Halteelemente die Belastung ungünstig beeinflussen.
- Weitere mögliche Ursachen: Auch mangelnde Prothesenhygiene, Speisereste unter der Prothese oder eine dauerhaft übermäßige Verwendung von Haftcremes können Beschwerden begünstigen. Zudem reagiert eine trockene oder besonders empfindliche Mundschleimhaut häufig stärker auf Druckbelastungen.
Was hilft bei Druckstellen durch Zahnprothesen?
Eine Behandlung der Druckstellen sollte möglichst früh erfolgen, um Schmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut zu vermeiden. Wichtig ist, die Ursache der Beschwerden zu beheben, anstatt sie dauerhaft zu überdecken. Bis zur zahnärztlichen Kontrolle können einige Maßnahmen die gereizte Schleimhaut entlasten.
- Weiche Kost bevorzugen: Weiche Lebensmittel belasten die gereizten Schleimhautbereiche weniger und können das Kauen angenehmer machen.
- Reizende Speisen meiden: Sehr heiße, scharfe oder saure Speisen können Druckstellen zusätzlich reizen und die Heilung verzögern.
- Gründliche Mund- und Prothesenhygiene: Eine sorgfältige Reinigung entfernt Beläge und Speisereste, die die Schleimhaut zusätzlich belasten oder Entzündungen begünstigen können.
- Prothese nicht selbst bearbeiten: Die Prothese sollte niemals eigenständig abgeschliffen oder verändert werden, da sich dadurch die Passform verschlechtern kann.
- Haftmittel nicht als Dauerlösung verwenden: Haftcremes können den Halt kurzfristig verbessern, ersetzen jedoch keine notwendige Anpassung der Prothese.
- Zahnärztliche Kontrolle wahrnehmen: Anhaltende Druckstellen lassen sich meist durch eine gezielte Korrektur der Prothese oder – falls erforderlich – eine Unterfütterung beheben.
Warum regelmäßige Kontrollen wichtig sind
Auch eine zunächst gut sitzende Zahnprothese kann sich im Laufe der Zeit verändern. Durch den natürlichen Abbau des Kieferknochens und Veränderungen der Mundschleimhaut kann sie an Halt verlieren oder ungleichmäßig aufliegen.
Regelmäßige Kontrollen helfen, solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Häufig reichen kleine Anpassungen aus, um Druckstellen, Entzündungen und größere Reparaturen zu vermeiden. Gleichzeitig wird geprüft, ob die Prothese weiterhin sicher sitzt und die Kaufunktion erhalten bleibt.
Druckstellen vorbeugen
Druckstellen lassen sich nicht immer vollständig vermeiden. Eine gute Prothesenpflege, regelmäßige Kontrollen und ein frühzeitiges Reagieren auf Veränderungen können das Risiko jedoch deutlich senken.
- Prothese gründlich reinigen: Beläge und Speisereste können die Schleimhaut zusätzlich reizen und sollten täglich entfernt werden.
- Mundschleimhaut pflegen: Auch eine regelmäßige Reinigung von Zahnfleisch, Gaumen und Zunge sollten erfolgen.
- Veränderungen ernst nehmen: Ein lockerer Sitz, verändertes Kaugefühl oder erste Druckempfindlichkeiten sollten frühzeitig kontrolliert werden.
- Kontrolltermine wahrnehmen: Regelmäßige Untersuchungen helfen, Passungenauigkeiten rechtzeitig zu erkennen und zu korrigieren.
- Nicht selbst nachbessern: Eigenständiges Abschleifen oder Verändern der Prothese kann die Passform verschlechtern.
- Haftmittel gezielt verwenden: Haftcremes können unterstützen, ersetzen aber keine fachgerechte Anpassung der Prothese.